Worüber wir in dieser Episode sprechen
Pardon To Tu – wie man eine Kult‑Bar in Warschau aufbaut und 14 Jahre Gastronomie überlebt
In einer Branche, in der die meisten Lokale innerhalb der ersten zwei Jahre schließen, ist Pardon To Tu ein echtes Phänomen. Diese Warschauer Bar, Buchhandlung und Musikclub in einem existiert seit 2011 ununterbrochen und zieht sowohl Studierende als auch Siebzigjährige an. Im Gespräch mit Daniel Radtke, Mitgründer dieses ikonischen Ortes, entdecken wir, wie man in einer der härtesten Branchen überlebt.
Für Restaurateur:innen, die wirksames Marketing in der Gastronomie suchen, ist Pardon To Tu ein starkes Beispiel dafür, wie man eine Marke organisch ohne riesige Werbebudgets aufbaut.
Von der Logistik‑Korporation zur eigenen Bar – ein untypischer Weg
Daniel Radtke ist kein „klassischer“ Restaurator. Sein Weg führte über acht Jahre in einer deutschen Logistik‑Korporation, die Berliner Punk‑Szene und das Warschauer Theater. Diese Mischung formte die Philosophie von Pardon To Tu.
Die Logistik hat mich Organisation gelehrt – Menschen führen, planen, Prozesse optimieren. Das hilft mir heute enorm.
Die Punk‑Szene prägte außerdem ein freiheitliches Verständnis: In Pardon To Tu gibt es keine Türsteher; jede:r kann jederzeit reinkommen.
Was kostet es wirklich, eine Bar in Warschau zu eröffnen?
Daniel teilt Zahlen, die viele überraschen: Der erste Standort (2011) kostete unter 100.000 PLN. Entscheidend war der DIY‑Ansatz – vieles wurde selbst gemacht, nur Zertifizierungs‑Themen (Lüftung, Gastro‑Projekt, Brandschutztests) wurden ausgelagert.
Die heutige Location ist ein anderes Level: Empore, separate Lüftung, kompletter Umbau – ein Vielfaches der ersten Investition.
Ohne die Erfahrung aus dem ersten Laden hätte ich mich nie an so eine Investition gewagt.
Wer Finanzen besser kontrollieren und anfangen will zu rechnen, findet hier die Bestätigung: Erfolg braucht Systematik.
Mundpropaganda vs Online‑Ads – was in der Gastronomie wirklich wirkt
Daniel setzt stark auf Mundpropaganda. Ein Durchbruch war das Singer‑Festival am Plac Grzybowski: Tausende Menschen kamen vorbei – viele davon später wieder.
Aus einer großen Reservierung werden später viele einzelne Reservierungen. So entsteht ein Kreislauf.
Eine strategische Entscheidung: keine Servicegebühr für große Gruppen, während Konkurrenz schon ab vier Personen kassierte.
Standort: warum man „150% sicher“ sein muss
Daniel hat vor der ersten Eröffnung 60 Locations besichtigt, vor dem Umzug weitere 40.
Wenn du vor dem Unterschreiben nicht zu 150% vom Standort überzeugt bist – eröffne dort nicht.
Genauso wichtig ist die Laufzeit: Heute würde er kaum unter 10 Jahren unterschreiben.
Pandemie: was COVID in der Gastronomie verändert hat
COVID war ein Stresstest. Pardon To Tu konnte als Buchhandlung offen bleiben, Lieferungen ergänzen und eine Auswärts‑Konzession nutzen.
Wir hatten keinen ausreichenden finanziellen Puffer. Ohne Hilfen wären viele untergegangen.
Mehr dazu, warum viele Restaurants nicht verdienen, erklärt Jakub Madej.
Beziehungen zu Gästen: der unterschätzte Hebel
Daniel und die Mitinhaberin Magda sind täglich vor Ort. Das schafft Vertrauen – Stammgäste merken: es ist immer noch „ihr“ Pardon.
Wenn du reinkommst und ich frage: doppelter Espresso mit Hafermilch? – das macht den Unterschied.
KI in der Gastronomie – lohnt sich das?
Daniel nutzt ChatGPT z.B. zum Kürzen von Künstler‑Biografien. Gleichzeitig ist er realistisch: KI ersetzt keine Kellner:innen und Köch:innen, aber sie kann Admin‑ und Kommunikationsaufgaben beschleunigen.
Für moderne Ansätze: mysite.ai.
Die wichtigsten Learnings aus 14 Jahren
Standortsicherheit, Langfristigkeit, Präsenz, Lernen aus Fehlern, Finanzpuffer, Authentizität.
Mehr Geschichten findest du im mysite talks Podcast.



